HYPO PERSPEKTIVEN - Magazin der HYPO Oberösterreich

25 Oberösterreich im Porträt Vier Fragen an Christina Haller Was bedeutet Führung für Sie? Verantwortung für das Unternehmen und für die Menschen zu übernehmen, die es tragen. Als Familienunternehmen endet diese Verantwortung nicht bei der eigenen Familie – viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bereits in mehreren Generationen bei uns tätig. Die Baubranche gilt nach wie vor als männlich geprägt. Wie sind hier Ihre Erfahrungen? Für mich ist es längst selbstverständlich, auch als einzige Frau im Raum zu sein. Vorurteilen oder tradierten Rollenbildern begegnet man mit Konsequenz, Kompetenz und guter Organisation – insbesondere im Spannungsfeld von Führung und Familie. Welche Stärken bringen Frauen besonders in Führungspositionen ein? Frauen bringen unterschiedliche Blickwinkel und damit wertvolle Vielfalt in Führungsteams ein, was Entscheidungen oft besser und nachhaltiger macht. Meine Erfahrungen zeigen, dass Frauen in Führungsrollen sehr motiviert, engagiert und verbindlich im Miteinander sind. Welche Botschaft möchten Sie Frauen mitgeben, die eine Führungsrolle anstreben? Dranbleiben, konsequent sein und an sich selbst glauben – auch an schwierigen Tagen. Entscheidend ist, das zu tun, was wirklich Freude bereitet, denn daraus entstehen Motivation, Qualität und Erfolg. Und nicht zuletzt: Tue Gutes und sprich darüber. Fotos: Katina Hofer-Schrems, Antje Wolm Seit mehr als 70 Jahren steht der Name Haller in Linz für Handschlagqualität, Verlässlichkeit und nachhaltiges Bauen. Aus einem Baubetrieb der 1950er-Jahre ist ein breit aufgestelltes Familienunternehmen gewachsen, das heute in vierter Generation geführt wird. Christina Haller prägt seit dem Jahr 2023 die strategische Weiterentwicklung der Firma mit rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Expertise der 39-Jährigen basiert dabei auf einer Mischung aus Praxiserfahrung, einem Wirtschaftsstudium und branchenspezifischen Ausbildungen. Den Begriff des Familienunternehmens interpretiert sie bewusst sehr breit: „Ich beziehe dabei nicht nur meine Familie mit ein, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn mir geht es darum, die Menschen hinter den Mitarbeitern zu sehen. Manche kenne ich schon seit vielen Jahren“. Letzteres überrascht nicht, begleitete sie ihren Vater doch schon als Kind auf die Haller-Baustellen. Gute Auftragslage und Zukunftsprojekte Stichwort Baustellen: Hier ist Hallerbau aktuell bei vielen Projekten mit an Bord. So entsteht in Pasching derzeit ein mehrgeschoßiges Wohnbauprojekt mit 23 Wohnungen und in der Linzer Altstadt setzt Hallerbau die Sanierung und Nachverdichtung eines denkmalgeschützten Gebäudes um – mit Penthäusern, Wohnungen sowie Büro- und Ordinationsflächen. Und auch abseits der klassischen Bautätigkeit setzt das Unternehmen Akzente: Mit Partnern wie der ZAB Zukunftsagentur Bau und dem LIT Robopsychology Lab testete Hallerbau den Einsatz von Exoskeletten auf Baustellen, um körperliche Belastungen zu reduzieren. Zudem läuft ein großes Digitalisierungsprojekt, das interne Prozesse und Strukturen modernisiert und so die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Für ein erfolgreiches Miteinander im Unternehmen braucht es für Christina Haller vor allem einen wertschätzenden Umgang, flache Hierarchien und gemeinsame Ziele. Und: Begeisterungsfähigkeit. „Das versuche ich zu vermitteln. Die Freude an der Arbeit ist ein Puzzlestein für den betriebswirtschaftlichen Erfolg.“ Die technisch geschickte Frohnatur beschreibt sich als verständnisvolle Chefin mit offenen Ohren; mit durchaus energischem Zug zum Tor: „Speziell bei Bauprojekten dauern die Verfahren lange. Dabei hat man als Baufirma ein Gesamtbild vor Augen, das man so rasch wie möglich umsetzen will. Und ja, dann kann ich schon einmal – etwa aufgrund der Bürokratie – ungeduldig werden“, so die Unternehmerin. Den Weltfrauentag am 8. März hält sie für wichtig, „so lange wir über Themen wie Einkommensfairness, die Aufteilung der Kinderbetreuung oder Karrierechancen für Frauen reden müssen“, so die Mutter einer achtjährigen Tochter. Diese will übrigens aktuell am liebsten Profi-Skateboarderin werden, „aber sie hat gesagt, dass sie am zweitliebsten später doch das beruflich machen will, was ich mache“, so Christina Haller sichtlich stolz.

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