26 Architektur in Oberösterreich Frauen in der Architektur – eine widersprüchliche Geschichte Fotos: Gregor Graf, Gettyimages Seit etwas über 100 Jahren sind Frauen in Österreich zum Architekturstudium an Hochschulen zugelassen. Inzwischen beträgt der Anteil weiblicher Studierender an allen österreichischen Standorten über 50 Prozent. Beim kleinen aber feinen Architekturstudiengang an der Kunstuniversität Linz ist der Überhang an Frauen besonders bemerkenswert. Die Gründe lassen sich schwer benennen. Allerdings dürfte das Linzer Studienangebot mit seinen speziellen inhaltlichen Angeboten und einer verstärkt internationalen Ausrichtung zur Attraktivität für weibliche Studierende beitragen. Berufliche Realitäten Betrachtet man jedoch die berufliche Praxis, bekommt die skizzierte Erfolgsgeschichte einen deutlichen Dämpfer. Die Zahlenverhältnisse kehren sich eklatant um: International beträgt die Quote der selbstständig tätigen Architektinnen rund 20 Prozent, in Österreich liegt der Anteil nochmals deutlich darunter. Und es ist nicht so, dass die Mehrzahl der selbstständigen Architektinnen hierzulande mittleren oder großen Büros vorsteht. Rund 80 Prozent der von Frauen geführten Büros sind Ein-Personen-Unternehmen. Hinsichtlich der Aufträge sind deutliche Einschränkungen die Folge, da derart kleine Büros in der Regel Großzügige Freiflächen kennzeichnen den als geschlechter‑ spezifisches Pilotprojekt konzipierten Remisenhof in Linz-Urfahr. Gestaltet wurde er von den Architektinnen Marlies Binder, Irmgard Lusser und Heidi Mühlfellner. von Wettbewerben oder öffentlichen Bauaufträgen ausgeschlossen sind. Arbeitsintensive private Aufträge, Bauberatung und das Bauen im Bestand sind folglich die Haupttätigkeitsfelder im „Eine-Frau-Büro“. von Georg Wilbertz Seit vielen Jahren sind mehr als 50 Prozent der Architekturstudierenden Frauen. In der beruflichen Wirklichkeit spiegelt sich dies auch in Oberösterreich nicht wider. Warum eigentlich?
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