HYPO PERSPEKTIVEN - Magazin der HYPO Oberösterreich

27 Architektur in Oberösterreich Auch wenn konkrete Zahlen hinsichtlich der Büroeigentümer und -strukturen für Oberösterreich fehlen, dürfte sich die hiesige Situation nicht wesentlich vom allgemeinen Trend unterscheiden. Dies gilt sowohl für die Städte wie auf dem Land. Ein Blick auf die einschlägigen Infoseiten – wie etwa die Architektur-Plattform nextroom – macht dies deutlich. Gründe Doch warum ist das so? Erklärungsmuster gibt es viele. Die „Tugenden“ Konkurrenz- und Durchsetzungsfähigkeit gehören „traditionell“ zum Berufsfeld Bauen und werden eher Männern zugesprochen. Gleiches gilt für die Frage der Selbstinszenierung. Mit der Wirklichkeit hat dies allerdings nur bedingt zu tun: Architektur zu planen ist aufwendig und zeitintensiv, die wirtschaftliche Situation häufig nicht so stabil, wie man es sich wünschen würde. Den Hintergrund bildet eine gesellschaftliche Realität, die nach wie vor von Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern geprägt ist – Stichwort: Familienfürsorge, Care-Arbeit & Co. Die beruflichen Strukturen im Berufsfeld Architektur sind zudem eher träge. Dies gilt nicht nur für die, die planen, sondern auch für jene, die über Aufträge entscheiden. Nach schnellem Wandel klingt all dies nicht. Gibt es eine weibliche Architektur? Grundsätzlich unterscheidet sich Architektur von Frauen nicht von jener der Männer. Wichtige Nuancen bestätigen allerdings die Regel: Vor allem im Wohnbaubereich zeichnen sich von Architektinnen geplante Projekte durch Qualitäten aus, die nicht unbedingt dem Standard entsprechen. Dies gilt etwa für Aspekte wie Helligkeit und eine sichere Erschließung. Flexibel nutzbare Wohngrundrisse sind ein weiteres Kennzeichen, das vor allem Frauen bevorzugen. Auch werden besondere Bedürfnisse heterogener Nutzergruppen (z.B. Alleinerziehender) sorgfältiger berücksichtigt. Die Bereiche außerhalb der eigentlichen Wohnung bilden häufig lebendige Gemeinschaftsbereiche. Beispielsweise werden Flure nicht als reine Erschließungszonen betrachtet, sondern als Aufenthalts- und Kommunikationszonen angelegt, die zur spontanen Begegnung einladen. Bereits 2001 wurde in diesem Sinne die „alltags- und frauengerechte“ Wohnanlage Remisenhof in Linz-Urfahr fertiggestellt. Das 114 Wohnungen umfassende Projekt erreicht eine hohe Wohnqualität durch großzügige Gemeinschaftsanlagen, Betonung der Nachbarschaft und kindgerechte Freiflächen. Der erhoffte Impuls für weitere Anlagen blieb jedoch bisher leider aus. Dabei braucht es in Zeiten wie diesen vermehrt soziale Ideen und Konzepte beim Wohnen. Der Überhang weiblicher Architekturstudentinnen spiegelt sich (noch) nicht in der Berufswelt wider – der Weg zur Geschlechterparität ist noch lange.

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